Seeds of Love

Ein Apfel der Aktion Seeds of Love
Ein Apfel aus der Aktion „Seeds of Love“ (2018)

In der Adventszeit 2018 unternahm ich in Köln die Aktion „Seeds of Love“. Das Werk ist als ein Beitrag zur sozialen Skulptur gedacht.

Für „Seeds of Love“ kaufte ich eine Box voller Äpfel und schnürte mit einem wollenen Faden je ein handgeschriebenes Kärtchen mit der Aufschrift „Fröhliche Weihnachten“ (Vorderseite) und „Ich wünsche dir Liebe, Licht und Wärme“ (Rückseite) daran. Die präparierten Äpfel lud ich anschließend in den Korb meines Klapprades und verteilte sie an obdachlose Menschen in der Kölner Alt-, Neu- und Innenstadt. „Darf ich dir einen Apfel schenken?“, fragte ich dabei. Die meisten sagten „ja.“

Die Apfelbox mit allen Äpfeln

Warum der Apfel?

In der biblischen Erzählung von Adam und Eva führte das Essen eines Apfels vom Baum der Erkenntnis zum Ausschluss aus dem Paradies. In „Seeds of Love“ setzte ich den Apfel ein, um genau das „rückgängig“ zu machen: Der Apfel ist hier als inkludierendes Objekt gedacht. Er soll jenen Menschen das Gefühl von Inklusion und Zugehörigkeit schenken, die zuvor von der Gesellschaft aus dem kapitalistischen „Paradies“ ausgeschlossen wurden.

Gleichsam ist das Verteilen der Äpfel das Säen von Nächstenliebe. Die Samen der Äpfel mögen Keim dieser Liebe sein, die in den Herzen der Menschen sprießen darf.

Gerne übergebe ich „Seeds of Love“ all jenen Menschen, die sich berufen fühlen, diese Aktion zu reproduzieren. Wenn wir uns in vielen Städten auf den Weg machen, um jene zu beschenken, die wenig haben, können wir ein Licht in dunklen Stunden sein.

Eine fast leere Apfelbox im Fahrradkorb

Eine bereichernde Erfahrung

Für mich war es eine bereichernde Erfahrung, mit „Seeds of Love“ durch Köln zu ziehen. Das Lächeln in den Augen eine*r Beschenkten zu sehen, löste in mir selbst das Gefühl von Licht und Wärme aus.

Ich gebe obdachlosen Menschen oft etwas Geld oder kaufe ihnen eine Zeitung ab (Nebenbemerkung: Der Karuna Kompass aus Berlin ist ein wirklich tolles Exemplar dieser Art. Einen Kauf kann ich jede*m nur empfehlen). Ihnen aber gezielt etwas persönliches zu schenken, war auch für mich neu. Am Anfang fühlte ich noch leichte Berührungsängste, ich wollte mich nicht aufdrängen. Da die Menschen sich aber so sehr über die Aufmerksamkeit freuten, legte sich diese Scheu im Laufe der Zeit. Ich fühlte Glück. Die Ernte meiner Saat?

Von den vorbeilaufenden Weihnachtsshopper*n nahm übrigens niemand Notiz von der Aktion.

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